Manufaktur Augsburg: VHV ist neuer Risikoträger

Manufaktur Augsburg findet neuen Risikoträger: VHV übernimmt ab 2026 die komplette Produktlinie

Die Manufaktur Augsburg GmbH stellt die Weichen für eine strategische Neuausrichtung: Ab dem 1. Januar 2026 übernimmt die VHV Allgemeine Versicherung AG den vollständigen Risikoträgerstatus für das Neugeschäft des Assekuradeurs. Ab dem 1. März 2026 folgt die Umdeckung des gesamten Bestands. Damit endet zugleich die bisherige Zusammenarbeit mit der Adler Versicherung AG, die sich – wie nun offiziell bestätigt wurde – vollständig aus dem Assekuradeursgeschäft zurückzieht.

Hintergrund des Wechsels: Adler zieht sich aus dem Assekuradeursgeschäft zurück

Auf Anfrage von Sachthemen.blog erläuterte die Manufaktur Augsburg, dass der Ausstieg der Adler Versicherung AG aus dem Assekuradeursgeschäft der ausschlaggebende Grund für die Neuausrichtung sei. Die Entscheidung sei eine geschäftspolitische Maßnahme der Adler.

Obwohl die Zusammenarbeit laut Manufaktur Augsburg als verlässlich beschrieben wird, zwang der vollständige Rückzug der Adler das Unternehmen zu einer schnellen Neuorientierung. Besonders hebt die Manufaktur Augsburg hervor, dass die Adler im Zuge der überraschenden Insolvenz der Element Insurance AG kurzfristig einsprang und als Risikoträger im Bereich Unfall unterstützte.

VHV wird alleiniger Risikoträger – umfassende Übernahme aller Sparten

Mit der VHV Allgemeine Versicherung AG wurde ein neuer Partner gefunden, der künftig alle Produktlinien der Manufaktur Augsburg übernimmt. Damit gibt es künftig keinen Mix verschiedener Risikoträger mehr – die VHV fungiert als alleiniger Partner in SHU Privat.

Die Bedingungswerke sollen nach Angaben der Manufaktur Augsburg „nahezu identisch“ bleiben. Die Tarife werden jedoch auf risikoadäquate Berechnungsgrundlagen angepasst. Welche Änderungen dies im Detail bedeutet, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen, wenn die finalen Bedingungen und Tarife freigegeben werden und in Vergleichsrechnern wieder erscheinen.

Keine wirtschaftlichen Kennzahlen kommuniziert

Zu Schadenquoten und wirtschaftlichen Ergebnissen der bisherigen oder zukünftigen Zusammenarbeit äußert sich die Manufaktur Augsburg nicht. Angaben zu Combined Ratios oder Schadenverläufen wolle man derzeit nicht beauskunften. Somit bleibt auch unklar, ob möglicherweise hohe Schadenskosten und unauskömmliche Prämien die Entscheidung der Adler Versicherung beeinflusst haben, sich vollständig aus dem Assekuradeursgeschäft zurückzuziehen.

Auswirkungen auf Kundinnen und Kunden

Welche Auswirkungen die Umstellung auf Versicherte haben wird, hängt im Wesentlichen von den kommenden Bedingungswerken und Tarifstrukturen ab. Bereits jetzt ist jedoch klar:

  • Tarifanpassungen werden aufgrund der neuen Kalkulationsgrundlagen der VHV wahrscheinlich sein.
  • Bedingungsänderungen dürften sich im Rahmen halten, da laut Manufaktur Augsburg „nahezu identische“ Bedingungen übernommen werden.
  • Service-Hotlines wurden eingerichtet, um Kunden und Vertrieb während der Umstellungsphase zu unterstützen.

Die Manufaktur Augsburg betont, dass der Übergang schrittweise erfolgt und sowohl Kunden als auch Vertriebspartner transparent begleitet werden sollen.

Offizielle Positionierung beider Unternehmen

Im Rahmen der bereits veröffentlichten Pressemitteilung vom 16. Oktober 2025 unterstreichen beide Unternehmen die strategische Bedeutung der neuen Partnerschaft:

  • Die Manufaktur Augsburg sieht in der VHV einen Partner, der für Verlässlichkeit, Vertrauen und exzellenten Service steht.
  • Die VHV betont, dass sie ihr Engagement im Vermittlermarkt weiter ausbauen wolle und die Manufaktur Augsburg als etablierten Assekuradeur schätze.
  • Beide Unternehmen sprechen von einer „verlässlichen und vertrauensvollen Partnerschaft“, die das Ziel verfolgt, maßgeschneiderte Produkte mit überdurchschnittlichem Leistungsniveau zu entwickeln.

Der Schritt markiert eine der wichtigsten Umstrukturierungen im Portfolio der Manufaktur Augsburg der vergangenen Jahre. Ein Blick auf jüngste Entwicklungen im Markt – etwa auf den Rückzug der SV SparkassenVersicherung als Risikoträger bei WECOYA oder auf den Ausstieg der Gothaer und der R+V beim Konzeptanbieter Degenia – zeigt zudem, dass das Assekuradeursgeschäft für Erstversicherer als Risikoträger zunehmend an Attraktivität verliert.

Bei Assekuradeuren und Konzeptanbietern wirkt sich der Kostendruck am Markt für die Risikoträger noch stärker aus, weil an der Vertriebskette gleich mehrere Akteure beteiligt sind. Neben dem Versicherer selbst verdienen Assekuradeure, Maklerpools und Makler an den Prämieneinnahmen mit. Dadurch bleibt von der eingenommenen Prämie deutlich weniger übrig, um die stetig steigenden Schadenskosten zu decken.

Die DOMCURA AG aus Kiel betreibt das Assekuradeursgeschäft mittlerweile seit Jahrzehnten und hatte dabei im Laufe der Zeit viele wechselnde Risikoträger. Dort bedient man sich mittlerweile auch ausländischer Risikoträger. In einem Newsletter der DOMCURA AG vom 30. April 2020 wurde die iptiQ EMEA P&C S.A. als neuer Risikoträger vorgestellt. IptiQ EMEA P&C mit Sitz in Luxemburg ist ein digitaler Versicherer der Swiss-Re-Gruppe, der als Risikoträger für ausgewählte DOMCURA-Wohngebäudeprodukte fungiert. Im November 2024 gab die DOMCURA zudem die Zusammenarbeit mit der Nationale-Nederlanden mit Sitz in den Niederlanden bekannt. Seither ebenfalls einer der Risikoträger für das Einfamilien- und Mehrfamilienhauskonzept.

Die Element Insurance AG bezahlte Anfang des Jahres 2025 ihr ambitioniertes Engagement als Risikoträger für zahlreiche Assekuradeure sogar mit der eigenen Insolvenz. Bis heute ist unklar, ob die Ursachen der Defizite eher aufseiten von Element oder aufseiten der beteiligten Assekuradeure zu suchen sind – oder ob es sich letztlich um ein Wechselspiel gegenseitiger Unzulänglichkeiten handelte.

Die Entscheidung der Adler Versicherung, sich vollständig aus diesem Segment zurückzuziehen, fügt sich damit in ein Muster ein, das auf gestiegene Schadenbelastungen, verstärkte regulatorische Anforderungen und wachsenden wirtschaftlichen Druck hindeuten könnte. Nach dem Wegfall der Adler als Partner musste der Assekuradeur nicht nur Ersatz finden, sondern gleichzeitig die Basis für eine langfristig stabile Risikoträgerstruktur schaffen. Mit der VHV als großem, etabliertem Maklerversicherer scheint dieses Ziel erreicht zu sein – die eigentliche Bewährungsprobe folgt allerdings in den kommenden Monaten, wenn Kunden und Makler die Auswirkungen der neuen Tarif- und Bedingungslandschaft bewerten.

Foto: Hauptsitz VHV, Bildquelle: VHV


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