DEVK – Die zwei Türme

Seit 1953 hat die DEVK ihren Hauptsitz in Köln. In dem Gebäude an der Riehler Straße, nahe dem Rheinufer, arbeiten rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auf dem Firmendach befindet sich seit dem Jahr 2000 die von HA Schult geschaffene „Kölner Kugel“, die als Markenzeichen der DEVK gilt. Im Juli 2024 erfolgte ein vorübergehender Umzug der Firmenzentrale in die Rheinhallen nach Köln-Deutz, da das Hauptgebäude für mindestens drei Jahre saniert wird.

Die seit Jahren laufenden Planungen der DEVK für eine neue Unternehmenszentrale am Rhein waren von intensiven Diskussionen mit der Stadt Köln und der Politik begleitet. Nun zieht der Versicherer überraschend die Konsequenzen: Aufgrund veränderter Rahmenbedingungen will die DEVK das Großprojekt vollständig neu bewerten. Nach der aktuellen Mitteilung der DEVK gilt als sicher, dass das ursprünglich geplante Prestigeprojekt in dieser Form nicht mehr realisiert wird. Das ambitionierte Bauvorhaben, das sich einst im Architekturwettbewerb durchgesetzt hatte, sollte auf dem Gelände des heutigen Zoo-Parkhauses entstehen und zwei Türme von etwa 44 und 144 Metern Höhe umfassen, verbunden durch einen fünfgeschossigen Sockel. Über das Konzept hatte eine 20-köpfige Jury entschieden, in der Fachleute aus Stadtplanung und Architektur ebenso vertreten waren wie Mitglieder der Ratsfraktionen und der DEVK selbst – das Votum fiel damals einstimmig aus.

Ursprünglich hatte das Kölner Architekturbüro JSWD den Zuschlag bei dem besagten Architekturwettbewerb erhalten, den der Stadtentwicklungsausschuss angesichts der prominenten Lage am Rhein ausgelobt hatte. Noch im Februar dieses Jahres sprach der damalige DEVK-Vorstand Bernd Zens davon, dass bis 2027 ein rechtskräftiger Bebauungsplan vorliegen und die neue Zentrale im Idealfall bis 2032 fertiggestellt sein könnte.

Hätte das Projekt Gestalt angenommen, wäre der Komplex nach dem Mediapark-Turm (149 Meter) und dem Colonia-Haus, dem heutigen Axa-Hochhaus (147 Meter), zum dritthöchsten Gebäude Kölns aufgestiegen. Damit wäre ein neuer architektonischer Akzent in der Stadtsilhouette entstanden – ein Symbol für Modernität und Wachstum, das nun vorerst ein visionärer Entwurf bleibt.

Doch die Annahmen, auf denen die Planung beruhte, stammen aus dem Jahr 2018 – und sind inzwischen nicht mehr zeitgemäß. Wie die DEVK mitteilte, hätten sich in den vergangenen Jahren grundlegende Rahmenbedingungen verändert. Homeoffice, digitale Technologien und flexible Arbeitsmodelle hätten die Nutzung von Büroflächen tiefgreifend gewandelt. Vorstandschef Gottfried Rüßmann erklärte, die Erfahrungen, die die Belegschaft während des vorübergehenden Umzugs in die Rheinparkmetropole gesammelt habe, hätten gezeigt, dass die bisherigen Planungen überdacht werden müssten.

Auch wirtschaftlich sei das Projekt nicht mehr so tragfähig wie ursprünglich gedacht. Steigende Baukosten und ein angespanntes Umfeld auf dem Markt für Gewerbeimmobilien ließen die ursprünglichen Kalkulationen obsolet erscheinen. Interne und externe Gutachten sowie Gespräche mit potenziellen Nutzern hätten ergeben, dass das Bauvorhaben in seiner bisherigen Form wirtschaftlich nicht mehr darstellbar sei.

Trotz der langen Vorgeschichte kommt der Rückzug der DEVK überraschend. Über Jahre hinweg war das Projekt Gegenstand politischer und öffentlicher Debatten gewesen. Der frühere Vorstand Zens hatte der Stadt Köln mehrfach mangelndes Tempo und übermäßige Bürokratie vorgeworfen. Zwischenzeitlich war sogar ein Umzug des Unternehmens nach Monheim im Gespräch, wo der Neubau nach DEVK-Angaben rund 200 Millionen Euro weniger gekostet und bis zu fünf Jahre früher fertiggestellt werden könnte. Diese Option blieb lange offen, wurde aber Ende 2023 verworfen. In den vergangenen Monaten hatte sich die Stimmung zwischen DEVK und Stadt Köln wieder deutlich entspannt; noch im Februar sprach Zens von einer guten und konstruktiven Zusammenarbeit.

Ein wesentlicher Streitpunkt war das sogenannte Höhenkonzept der Stadt Köln, das die Sichtachsen auf den Dom schützen soll. Als die DEVK ihre Pläne 2018 erstmals vorstellte, entbrannte eine Diskussion darüber, wie hoch in Köln überhaupt gebaut werden dürfe. Das damals gültige Konzept war veraltet und galt nur für die Innenstadt. Erst nach externer Beauftragung und jahrelanger Verzögerung verabschiedete der Stadtrat im Februar dieses Jahres ein neues Höhenkonzept, das den Weg für den DEVK-Neubau eigentlich freimachen sollte.

Ganz begraben will die DEVK ihre Neubaupläne allerdings nicht. Das Unternehmen betont, weiterhin an einer neuen Zentrale in Köln festhalten zu wollen. Konkrete Entwürfe oder Planungen gebe es derzeit jedoch nicht. Zunächst wolle man in engem Austausch mit der Stadt prüfen, welche Optionen sich künftig bieten. Ziel sei es, gemeinsam eine tragfähige und zukunftsorientierte Lösung für den Standort in Riehl zu finden, so Vorstandschef Rüßmann. Köln bleibe auf jeden Fall Heimat der DEVK-Zentrale.

Die Lokalpresse bezeichnete den Vorgang derweil als spektakulären Rückzieher. Der Express schrieb dazu: „Die Entscheidung ist ein echter Hammer, denn in der Vergangenheit hatte die DEVK immer wieder Druck auf die Stadt ausgeübt und sogar mit einem Wegzug gedroht.“

Ich persönlich betrachte die neue Entwicklung eher pragmatisch. Angesichts der veränderten Rahmenbedingungen erscheint die Entscheidung der DEVK nur folgerichtig. Die langen Planungszeiten, steigenden Baukosten und der ausgeprägte Bürokratismus der zuständigen Gremien haben dazu geführt, dass das ursprünglich ambitionierte Konzept seine Aktualität verloren hat. Was 2018 als visionäres Bauvorhaben galt, passt heute nicht mehr in eine Arbeitswelt, die sich durch Homeoffice, mobile Arbeit und digitale Vernetzung grundlegend verändert hat. In gewisser Weise kann man sogar von einer Spätfolge der Corona-Pandemie sprechen: Die neue Arbeitsrealität hat nicht nur den Flächenbedarf verringert, sondern auch die Wirtschaftlichkeit großer Büroprojekte infrage gestellt. Die Entscheidung der DEVK, ihr Bauvorhaben zu stoppen und neu zu denken, ist daher weniger ein Rückschritt als eine notwendige und konsequente Anpassung an die Gegenwart.

Foto: Entwurfsplanung der neuen Unternehmenszentrale – Quelle: DEVK


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