Versicherungsmakler erwarten zunehmende Regulierung – digitale Lösungen sollen entlasten
Die regulatorischen Anforderungen für Versicherungsmakler werden nach Einschätzung der Branche weiter steigen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Versicherungsmakler (BFV), die in Kooperation mit dem Fachmagazin AssCompact durchgeführt wurde. Befragt wurden 565 Vermittler im Zeitraum vom 6. bis 14. März 2025.
Über 80 Prozent rechnen mit mehr Regulierung
Laut der Umfrage gehen 82,1 % der Makler davon aus, dass die regulatorischen Anforderungen künftig weiter steigen werden. Nur 1,2 % erwarten eine Vereinfachung, während 9,7 % von einem gleichbleibenden Niveau ausgehen. Besonders deutlich ist der Pessimismus bei jüngeren Vermittlern: 86,6 % der unter 50-Jährigen rechnen mit einer Zunahme der Regulierung.
Digitalisierung als Entlastungsfaktor
Um der steigenden Arbeitsbelastung entgegenzuwirken, sehen viele Makler Chancen in der Digitalisierung. Rund 59,7 % bewerten das Potenzial, Aufwände durch stärkere Digitalisierung zu reduzieren, als „sehr hoch“ oder „eher hoch“. Nur etwa 10,8 % schätzen das Potenzial als gering ein. Besonders optimistisch zeigen sich die jüngeren Vermittler: Bei den unter 50-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei 77,7 %.
Unterstützung durch Produktpartner gefordert
Die größte Unterstützung wünschen sich Makler von ihren Produktpartnern vor allem bei der Vereinfachung von Verwaltungsprozessen (81,8 %) und der Reduzierung von Haftungsrisiken (78,6 %). Ebenso hoch ist der Bedarf an besseren digitalen Tools für Dokumentation (76,6 %) und Beratungshilfen (63 %). Schulungen zu regulatorischen Änderungen (57,3 %) sowie Hilfen bei der Umsetzung von ESG-Vorgaben (49,2 %) stehen ebenfalls weit oben auf der Prioritätenliste.
Überregulierung als Risiko für Verbraucher
BFV-Koordinator Erwin Hausen warnt vor den negativen Folgen einer ausufernden Regulierung: „Eine Überregulierung führt dazu, dass für qualifizierte Beratungen weniger Zeit bleibt. Doch die ist der eigentliche Kern des Verbraucherschutzes.“ Die BFV fordert daher konkrete Maßnahmen zum Bürokratieabbau – von einem Regulierungs-Moratorium bis hin zum Abbau belastender, aber kaum hilfreicher Auflagen.
Auch der CDU-Politiker Prof. Dr. Hendrik Streeck, Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestages, kritisierte kürzlich den Bürokratienotstand: „Fast die Hälfte der ärztlichen Arbeitszeit geht für Dokumentation drauf. Das entspricht 32.000 Vollzeitstellen, die eigentlich am Patienten gebraucht würden.“ Ein ähnliches Bild zeigt sich laut BFV auch in der Versicherungsbranche.
Die Ergebnisse der BFV-Studie machen deutlich: Versicherungsmakler sehen sich zunehmenden regulatorischen Anforderungen ausgesetzt, während gleichzeitig der Wunsch nach digitaler Entlastung und vereinfachten Prozessen wächst. Die Branche steht vor der Herausforderung, die Balance zwischen notwendigem Verbraucherschutz und praktikabler Umsetzung zu finden – mit dem Ziel, wieder mehr Zeit für das Wesentliche zu gewinnen: die Beratung der Kunden.
Quelle: Vermittlerbefragung der bbg Betriebsberatungs GmbH im Auftrag der Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Versicherungsmakler (BFV), Erhebungszeitraum 6.–14. März 2025


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