Rekordbeteiligung in Bermuda
Die Bermuda International Long Term Insurers and Reinsurers (BILTIR) haben ihre 13. Bermuda International Life & Annuity Conference im Hamilton Princess Hotel mit einer Rekordteilnahme abgeschlossen. Mehr als 500 Fachleute aus 17 Ländern nahmen teil – fast die Hälfte von ihnen reiste aus dem Ausland an. Damit konnte die Konferenz erstmals auf zwei volle Tage mit Vorträgen, Panels und Networking erweitert werden.
Im Mittelpunkt standen die Themen Resilienz, Innovation und Zweckmäßigkeit. Ein zentrales Ergebnis: Der Standort Bermuda wird von internationalen Marktteilnehmern als stabil und zukunftsorientiert eingeschätzt. Die Bermuda Monetary Authority (BMA) bestätigte dies mit einem neuen Stresstest, der zeigte, dass die in Bermuda ansässigen Langzeit-(Rück-)Versicherer selbst schweren Marktschocks standhalten können.
Die weltweiten Brutto-Schadenleistungen, die von den in Bermuda ansässigen langfristigen (Rück-)Versicherern zwischen 2016 und 2024 erbracht wurden belaufen sich auf 549 Milliarden US-Dollar – ein deutlicher Beleg für Kapitalstärke und Verlässlichkeit. Dies entspricht ungefähr der Wirtschaftsleistung (BIP) eines mittelgroßen europäischen Landes wie Schweden oder Belgien über ein Jahr.
Premierminister E. David Burt hob in seiner Ansprache hervor, dass Bermudas strenger Regulierungsrahmen hochwertige Unternehmen anzieht, die gleichzeitig einen Beitrag zur Schließung der globalen Rentenlücke leisten. Natasha Scotland Courcy, Vorsitzende des BILTIR-Vorstands und CEO von Athene Life Re, unterstrich die wachsende Nachfrage nach Know-how und Austausch. Dies zeige die zentrale Rolle Bermudas im globalen (Rück-)Versicherungssektor.
Ein besonderes Highlight war die Keynote des Zukunftsforschers und Technologen Maurice Conti. Er stellte eindrucksvoll dar, wie künstliche Intelligenz die Lebensversicherungsbranche grundlegend verändern könnte. Conti betonte, dass KI nicht nur operative Prozesse automatisiert, sondern auch völlig neue Formen von Risikomodellen ermöglicht. Mithilfe von Datenanalysen in Echtzeit könne künftig das Langlebigkeitsrisiko präziser berechnet und die Preisgestaltung flexibler gestaltet werden. Ebenso verwies er auf die Möglichkeit, personalisierte Produkte zu entwickeln, die sich dynamisch an die Lebenssituation der Versicherten anpassen. Auch beim Thema Betrugserkennung sieht er große Potenziale, da KI Anomalien in Datenströmen erkennt, die Menschen oder klassische Systeme übersehen würden. Für Makler und Versicherer bedeutet dies einen tiefgreifenden Wandel im Kundengeschäft: Beratung und Produktgestaltung könnten individueller und effizienter werden, während sich gleichzeitig neue Chancen im Risikotransfer eröffnen.
Neben Regulierungsfragen rückten auch weitere Innovationsfelder in den Vordergrund. Diskutiert wurden unter anderem die wachsende Rolle privater Kredite im Rückversicherungsumfeld, die Funktion der Branche bei der Altersvorsorge sowie die Absicherung globaler Risiken.
Bermuda blickt auf eine lange und enge Verbindung mit dem internationalen Versicherungswesen zurück. Bereits in den 1980er-Jahren entwickelte sich die Insel zu einem führenden Standort für Captives, also für firmeneigene Versicherungsgesellschaften großer Konzerne. In den 1990er-Jahren folgte der Aufstieg zum Rückversicherungszentrum, ausgelöst durch Hurrikan Andrew im Jahr 1992, der enorme Kapazitäten erforderte und zahlreiche Neugründungen nach sich zog. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erlebte Bermuda eine weitere Gründungswelle, da der globale Markt dringend neue Rückversicherungslösungen brauchte. Ähnlich verhielt es sich nach Hurrikan Katrina 2005, als Investoren erneut verstärkt Kapital auf die Insel brachten. Auch während der weltweiten Finanzkrise 2008 erwies sich Bermuda als flexibler Markt, der schnell auf die Bedürfnisse der Branche reagierte.
Diese historische Entwicklung hat Bermuda dauerhaft zu einem der drei wichtigsten internationalen Rückversicherungszentren neben London und Zürich gemacht. In den vergangenen Jahren hat sich der Schwerpunkt zunehmend auf die Lebens- und Rentenrückversicherung verlagert, wo die Kombination aus langjähriger Erfahrung, regulatorischer Stabilität und Kapitalstärke besonders gefragt ist. Für europäische Erstversicherer bedeutet dies eine zusätzliche Sicherheit, da sie auf eine Jurisdiktion zurückgreifen können, die sich in Krisen immer wieder als widerstandsfähig erwiesen hat.
Für Versicherungsmakler und andere Marktteilnehmer ist die Botschaft eindeutig: Bermuda bleibt ein unverzichtbarer Partner im globalen Rückversicherungsgeschäft. Die Verbindung von historischer Erfahrung, strenger Aufsicht, starker Kapitalbasis und Innovationsbereitschaft schafft ein stabiles Fundament, auf das sich Zedenten, Investoren und Partner – auch in Europa – langfristig verlassen können.


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