Corify startet in den Regelbetrieb

Digitale Ausschreibungsplattform soll Industrieversicherung revolutionieren

Mit dem anstehenden Start des Flottenversicherungssegments im September 2025 markiert Corify den Übergang vom Pilotprojekt zur produktiven Ausschreibungsplattform für die deutsche Industrieversicherung. Die von der Hypoport SE initiierte Plattform wurde entwickelt, um den bislang oft fragmentierten und papierlastigen Ausschreibungsprozess in der Industrieversicherung vollständig zu digitalisieren – von der Risikobeschreibung über das Matching von Versicherern bis hin zur Verwaltung laufender Verträge.

In einem seit Jahren unter Digitalisierungsdruck stehenden Markt will Corify damit neue Standards setzen – sowohl technologisch als auch prozessual. „2025 ist das Jahr, in dem sich zeigt, dass digitale Ausschreibungen keine Zukunftsvision mehr sind, sondern Realität“, so CEO Artur Reimer, der zugleich dem Vorstand der Hypoport Insurtech AG angehört.

Digitale Plattform für Makler, Versicherer und Industriekunden

Corify bringt auf einer webbasierten Cloud-Plattform Industrieunternehmen, Makler und Versicherer zusammen. Ziel ist es, den Ausschreibungsprozess effizienter, transparenter und datengetriebener zu gestalten. Im Zentrum steht dabei das Corify Risk Object Model (CROM) – ein gemeinsam mit 21 Marktteilnehmern entwickelter Standard zur strukturierten und einheitlichen Erfassung von Risikodaten. Dadurch entfällt die bisherige Praxis, Informationen über PDFs, Excel-Tabellen und unterschiedliche Versichererfragebögen auszutauschen.

Über die Plattform können Makler ab sofort digitale Requests for Proposal (RFPs) erstellen, Risikodaten und Deckungswünsche einreichen, Schadenhistorien hinzufügen und Angebote direkt vergleichen. Versicherer erhalten standardisierte Datenformate und können passende Angebote auf dieser Basis abgeben – inklusive automatisiertem Matching passender Kapazitäten durch die Plattform.

Nach erfolgreicher Platzierung lassen sich Versicherungsverträge ebenfalls über Corify verwalten. In Planung sind zudem KI-gestützte Services, die unter anderem Policenverwaltung, Compliance-Berichterstattung und Schadenprozesse automatisieren sollen.

Erste Einsatzfelder: Kfz-Flotten- und Immobilienversicherung

Die Ausschreibungsfunktion wurde im April 2024 live geschaltet. Als erstes Einsatzfeld wählte Corify bewusst die Flottenversicherung, die aufgrund ihrer wiederkehrenden Vorgänge als besonders geeignet für die Digitalisierung gilt. Mit dem Corify Fleet Management (CFM)-Modul wird im September 2025 der reguläre Betrieb aufgenommen – unter anderem mit Howden Deutschland AG als Launch-Partner.

Parallel dazu wurde das Corify Real Estate Management (CREM)-Modul entwickelt, das der Verwaltung großer Immobilienportfolios dient. Beide Lösungen wurden 2024 bereits bei Pilotkunden wie Pantaenius, Dr. Ellwanger & Kramm, AFC und Howden produktiv getestet.

Auch Konsolidierer im Maklermarkt – etwa größere Maklergruppen – zeigen Interesse, da Corify gruppenweite Datenhoheit und Prozessstandardisierung ermöglicht. Auf Versichererseite wächst das Interesse stetig: Zwar wurden noch keine konkreten Namen genannt, jedoch ist bekannt, dass mehrere Industrieversicherer bereits an der Pilotphase teilnehmen.

Tiefe Integration in bestehende Systeme durch Oasis-Know-how

Ein strategischer Vorteil liegt in der Verzahnung mit der Corify-Tochter Oasis GmbH, die seit über 35 Jahren das gleichnamige Maklerverwaltungsprogramm (MVP) betreibt. Dieses Know-how fließt in die Entwicklung von Corify ein – und dient zugleich als Sprungbrett: Zahlreiche bestehende Oasis-Kunden können künftig direkt auf Corify migriert werden.

Die Plattformarchitektur basiert auf modernen Cloud-Technologien, ist mandantenfähig, skalierbar und kompatibel mit Branchenstandards wie dem RD-X Schnittstellenstandard der Open Risk Data Association (ORDA). Dabei versteht sich Corify nicht als Konkurrenz, sondern als technologische Ergänzung zu solchen Initiativen.

Effizienzsprung durch Automatisierung und Standardisierung

Ein zentrales Argument für Corify ist die drastische Reduktion manueller Tätigkeiten. Laut Unternehmensangaben lassen sich heute bereits rund 60 % der Aufgaben in bestimmten Prozessbereichen automatisieren. Änderungen an einem Flottenrahmenvertrag – früher ein wochenlanger Abstimmungsprozess – können nun innerhalb von Minuten digital umgesetzt und automatisch auf alle Einzelverträge übertragen werden.

Durch den strukturierten Aufbau von CROM entsteht zudem eine „gemeinsame Risikosprache“, die Missverständnisse in der Risikobewertung verhindert und Versicherern präzisere Kalkulationen erlaubt. Die Plattform erlaubt bidirektionale Rückfragen, transparente Angebotshistorien und zentrale Statusverfolgung – alles innerhalb desselben Systems. Dies eliminiert E-Mail-Verkehr, Medienbrüche und Datenverluste.

Vorteile für alle Marktteilnehmer

  • Makler profitieren durch Effizienzgewinne, einheitliche Prozesse und stärkere Beratungskapazitäten. Auch für konsolidierende Gruppen wird Corify zur strategischen Plattform.
  • Versicherer erhalten valide Risikodaten direkt vom Ursprung und können schneller, transparenter und risikoangemessener kalkulieren. Die bessere Datenqualität reduziert auch Fehlbewertungen und verbessert das Underwriting.
  • Industriekunden gewinnen Transparenz über ihre Risiken, Angebote und Versicherungsbedingungen – und können präventive Maßnahmen besser bewerten und dokumentieren (etwa im Hinblick auf ESG-Vorgaben).

Antwort auf strukturelle Marktprobleme

Corify reagiert auf fundamentale Probleme im klassischen Industrieversicherungsgeschäft:

Intransparente Prozesse: Versicherer erhalten oft unvollständige Informationen. Kunden wissen selten, wer wie auf welcher Basis kalkuliert. Corify bietet Echtzeit-Einblicke und zentrale Datenverfügbarkeit.

Heterogene Datenformate: Unterschiedliche Fragebögen, Excel-Tabellen und PDF-Dokumente führen zu Fehlern und unnötigem Aufwand. CROM sorgt für Standardisierung.

Manuelle, langsame Prozesse: Abstimmungen über Wochen, Medienbrüche und Doppelerfassungen dominieren. Corify digitalisiert große Teile davon.

Fehlende Risikoverständigung: Versicherer und Kunden bewerten Risiken oft unterschiedlich. Corify schafft durch gemeinsame Datenmodelle eine valide Bewertungsgrundlage.

Steigender Regulierungsdruck: ESG-Nachweispflichten und neue Berichtspflichten machen strukturierte Daten unverzichtbar. Corify unterstützt die Erfassung dieser Faktoren nativ.

Blick nach vorn: Ausbau und Skalierung

Corify will sich 2025 im Markt etablieren und sukzessive auf weitere Versicherungssparten ausdehnen – darunter Sach- und Haftpflichtversicherungen, technische Versicherungen und Cyber-Deckungen. Die Skalierung wird dabei durch modulare Plattformarchitektur, starke Kooperationspartner und wachsendes Marktinteresse getragen.

Zugleich rechnet Corify mit wachsendem Wettbewerbsdruck im digitalen Ausschreibungsgeschäft. Wer sich frühzeitig an die Plattform anbindet, kann sich laut Unternehmen Wettbewerbsvorteile sichern – sowohl in Effizienz als auch im Zugang zu Risiken.

In einer Branche, die lange als digitaler Nachzügler galt, scheint Corify eine überfällige Lücke zu schließen. Sollte die breite Akzeptanz gelingen, könnte das System als neuer Marktstandard für Industrieausschreibungen gelten – mit weitreichenden Folgen für Makler, Versicherer und Kunden gleichermaßen.

So viel Potenzial Corify als digitale Ausschreibungsplattform bietet, sollte man auch über mögliche Risiken sprechen. Dazu zählt insbesondere die wachsende Abhängigkeit vom System: Wenn Ausschreibungen, Risikodaten und Vertragsprozesse zentral über eine Plattform laufen, wird diese schnell zu einem Schlüsselpunkt im Markt.

Mögliche Schwachstellen könnten etwa systemische Fehler bei der Risikoerfassung, Probleme beim Datentransfer oder schlicht technische Ausfälle sein – gerade in sensiblen Phasen wie dem Jahresendgeschäft. Auch wenn Corify auf Stabilität und Transparenz setzt, bleibt die Frage, wie resilient die Plattform gegenüber solchen Störungen ist.

Zudem stellt sich langfristig die Frage nach der Datenhoheit: Wer kontrolliert, speichert und verarbeitet die sensiblen Informationen – und wie unabhängig bleibt der Zugang für Makler, Kunden und Versicherer?

Diese Aspekte müssen nicht gegen Corify sprechen, aber sie sollten aktiv mitgedacht und diskutiert werden – gerade weil die Plattform dabei ist, sich zu einer zentralen Infrastruktur in der Industrieversicherung zu entwickeln.

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