Foto: VPV, Stefanie Fakesch, Projektleiterin
VPVs Einstieg ins Gewerbegeschäft: Ein gewagtes Spiel für einen Neuling
Die Ankündigung der VPV Versicherungen vom 16. Juni 2025, mit dem neuen Geschäftssegment „Gewerbeversicherung“ und dem „VPV Gewerbe-Schutz“ zu starten, markiert eine strategische Neuausrichtung. Während die Erschließung neuer Geschäftsbereiche Wachstumspotenziale bieten kann, wirft VPVs Schritt in den gewerblichen Kompositversicherungsmarkt, wo das Unternehmen historisch weder im privaten noch im gewerblichen Bereich eine nennenswerte Rolle gespielt hat, erhebliche Fragen hinsichtlich der unmittelbaren Machbarkeit und des langfristigen Erfolgs auf.
Das erklärte Ziel ist es, das Potenzial dieses zusätzlichen Geschäftsfelds zu erschließen, beginnend mit den Sparten Betriebshaftpflichtversicherung, Inhaltsversicherung und Ertragsausfallversicherung. Als Zielgruppen werden Handwerk & Bau, Handel & Dienstleistung, Gastronomie & Hotellerie sowie Vereine genannt. Obwohl diese Sektoren zweifellos lukrativ sind, sind sie gleichzeitig extrem wettbewerbsintensiv und bereits gut durch etablierte Akteure mit robusten und leistungsfähigen Konzepten besetzt.
Die entscheidende Frage ist: Woher wird die VPV das notwendige Know-how und die Marktdurchdringung gewinnen, um effektiv konkurrieren zu können? Der Einstieg in komplexe Bereiche wie die Betriebshaftpflichtversicherung, insbesondere für die Baubranche, als Neuling ist ein mutiger, ja fast kühner Schritt. Dieses Segment erfordert tiefgreifendes branchenspezifisches Wissen, ausgefeilte Risikobewertungsfähigkeiten und eine nachweisliche Erfolgsbilanz – alles Bereiche, in denen die VPV, gemessen an ihrer bisherigen Leistung, begrenzte Erfahrung zu haben scheint.
Darüber hinaus wird es eine erhebliche Herausforderung sein, Vermittler, insbesondere unabhängige Makler, davon zu überzeugen, einen neuen, unbewährten Anbieter für Gewerbeversicherungen in ihr Portfolio aufzunehmen. Makler bevorzugen in der Regel stabile, zuverlässige Partner mit wettbewerbsfähigen Produkten und effizienten Prozessen. Vertrauen aufzubauen und Kompetenz in einem überfüllten Markt zu demonstrieren, wird beträchtliche Zeit und Mühe erfordern. Es ist unwahrscheinlich, dass die VPV in diesem Segment kurzfristige Erfolge erzielen kann, angesichts der gefestigten Positionen der Wettbewerber und der inhärenten Herausforderungen, als Marktneuling ohne starke, bereits bestehende Reputation im Gewerbegeschäft aufzutreten.
Während Steffen Guttenbacher, Vorstandsmitglied der VPV, die Ausrichtung auf die Bedürfnisse kleiner und mittelgroßer Unternehmen betont und Stefanie Fakesch, Projektleiterin, die Flexibilität und die „VPV Besserstellungsgarantie“ hervorhebt, werden diese Zusicherungen möglicherweise nicht ausreichen, um die Skepsis von Maklern und potenziellen Gewerbekunden zu überwinden, die bereits Zugang zu einer Vielzahl etablierter und umfassender Lösungen haben. Der Einsatz von Softwarelösungen der Faktor Zehn GmbH für Prozesseffizienz ist zwar ein positiver Schritt, aber Technologie allein kann einen Mangel an Marktvertrauen und spezialisiertem Underwriting-Fachwissen nicht kompensieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass VPVs Vorstoß in die gewerbliche Kompositversicherung eine risikoreiche Strategie zu sein scheint. Während Ehrgeiz lobenswert ist, deuten das Fehlen einer starken Erfolgsbilanz, der harte Wettbewerb und die schwierige Aufgabe, das Vertrauen der Makler zu gewinnen, darauf hin, dass unmittelbare, signifikante Erfolge schwer zu erreichen sein werden. Es wird eine echte Bewährungsprobe für die Entschlossenheit der VPV und ihre Fähigkeit sein, schnell das erforderliche Know-how und die Marktakzeptanz zu entwickeln, um sich in diesem Wettbewerbsumfeld tatsächlich eine sinnvolle Rolle zu erarbeiten.


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