Boabab? Kaugummi? Duftkerze? Nein!


Cyberversicherer Baobab sammelt 12 Millionen Euro ein – Gelingt der nächste große Insurtech-Wurf?

Mit einer Series-A-Finanzierung über 12 Millionen Euro sorgt das Berliner Start-up Baobab Insurance für Aufmerksamkeit. Das junge Insurtech will den europäischen Markt für Cyberversicherungen aufmischen – doch die Zahlen zeigen: Der Weg zum profitablen Geschäftsmodell ist noch weit.

Investoren setzen auf Cyberabsicherung

Die neue Finanzierungsrunde im Juni 2025 wird angeführt von den Wagniskapitalgebern Viola FinTech (ein israelisch-US-amerikanischer Fintech-Fonds) und eCapital (ein etablierter deutscher VC mit Fokus auf Technologie und Software). Ebenfalls beteiligt sind:

  • Augmentum FinTech (Großbritannien)
  • Project A Ventures (Deutschland)
  • Christof Mascher, Ex-Vorstand der Allianz, als Beiratsmitglied und Co-Investor

Mit dem frischen Kapital plant Baobab den Ausbau seiner KI-gestützten Risikotechnologie, die Einführung neuer Produkte wie einer IT-Haftpflichtversicherung sowie die Expansion in weitere europäische Märkte. Aktuell ist das Start-up in Deutschland und Österreich aktiv.

Wer steckt hinter Baobab?

Gegründet wurde die Baobab Insurance GmbH im Jahr 2021 in Berlin – von Vincenz Klemm und Anton Foth, zwei erfahrenen Köpfen der Insurtech-Szene.

Vincenz Klemm gilt als Seriengründer im Versicherungs- und Fintechbereich:

  • Er war Mitgründer von Gabi, einem US-amerikanischen digitalen Versicherungsmakler, der sich auf Kfz-Versicherungen spezialisiert hatte. Gabi wurde 2021 vom Datenkonzern Experian für rund 320 Mio. US-Dollar übernommen.
  • Vor seiner Zeit bei Gabi war Klemm unter anderem bei Rocket Internet aktiv und wirkte am Aufbau mehrerer Start-ups mit.
  • Er studierte an der WHU – Otto Beisheim School of Management und sammelte früh internationale Erfahrung in den USA und Lateinamerika.

Anton Foth, sein Co-Gründer, war zuvor CTO bei Coya, einem Berliner Insurtech für digitale Haushalts- und Haftpflichtversicherungen.

Das Ziel der beiden: Cyberversicherungen speziell für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), verbunden mit aktiven Maßnahmen zur Risikominimierung – etwa Phishing-Tests, IT-Sicherheitsbewertungen oder automatisierte Risikoüberwachung. Baobab versteht sich damit als „integrierter Anbieter“ – also nicht nur Versicherer, sondern auch digitaler Sicherheitspartner.

Als Assekuradeur vertreibt Baobab Policen im eigenen Namen, während das versicherungstechnische Risiko von etablierten Partnern wie Zurich oder Ergo getragen wird.

Wer finanzierte Baobab bisher?

Bereits in der Pre-Seed-Runde 2022 sicherte sich das Start-up 3,5 Millionen Euro. Damals beteiligten sich unter anderem:

  • Project A Ventures
  • La Famiglia VC
  • Discovery Ventures
  • Business Angels wie Christopher Oster (Clark), Marco Adelt, Michael Riegel (Comtravo) und Jan Beckers (BitCapital)

Mit der aktuellen Series A wächst die Gesamtsumme an Risikokapital auf über 15 Millionen Euro.

Kunden und Umsatz: Noch keine Spur von Profitabilität

Trotz der starken Investorenlage ist Baobab wirtschaftlich gesehen noch im Aufbau. Gewinne gibt es keine, und die öffentlich zugänglichen Geschäftszahlen zeigen eher ein durchwachsenes Bild:

  • Der Jahresumsatz lag laut Handelsregisterdaten sowohl 2021 als auch 2022 bei nur etwa 1 Million Euro.
  • Die Bilanzsumme schrumpfte von 3,7 Millionen Euro (2021) auf 1,4 Millionen Euro (2022) – ein mögliches Zeichen für hohe Verluste.

Wie viele zahlende Kunden Baobab hat, ist unklar. Das Unternehmen kommuniziert lediglich, dass über Plattformen wie CyberDirekt oder Thinksurance etwa 50.000 Nutzer Zugang zum Produkt erhielten. Ob daraus echte Verträge wurden, ist nicht bekannt – ebenso wenig wie die Höhe der eingenommenen Versicherungsprämien.

Kommentar: Zwischen Boom und Blase

Baobab bekommt gerade das, wovon viele andere Insurtechs nur träumen: Geld, Vertrauen und Aufmerksamkeit. Und das für ein Produkt, das absolut ins Zeitgeschehen passt – Cyberkriminalität trifft mittlerweile jedes zweite Unternehmen, vor allem im Mittelstand.

Doch ein gutes Thema allein macht noch kein tragfähiges Geschäftsmodell. Die aktuellen Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Umsätze sind niedrig, Gewinne nicht in Sicht. Die Frage ist daher nicht, ob Cyberversicherungen gebraucht werden – sondern ob Baobab diejenige Firma ist, die daraus ein nachhaltiges Geschäft bauen kann.

Nach der ersten Euphorie in der Insurtech-Szene wurden viele ambitionierte Anbieter von der Realität eingeholt – zuletzt mussten mit Cogitanda und Element gleich zwei bekannte Namen Insolvenz anmelden. Baobab wirkt aktuell stabiler, professioneller und strategischer – doch ein echtes Ausrufezeichen muss das Start-up erst noch setzen: am Markt, nicht im Pitchdeck. Man wird mittelfristig neue Mitarbeiter benötigen und es gibt derzeit laut firmeneigener Webseite auch zahlreiche vakante Stellen. Ob man mit lediglich 28 Urlaubstagen, regelmäßigen Teamevents, gemeinsamem Kochen in der Mittagspause und Drinks on the house am Donnerstag, die in den aktuellen Stellenanzeigen ausgelobt werden, deutsche Fachkräfte wirklich glücklich machen kann, bleibt abzuwarten.

Baobab hat jetzt die Chance – ob es am Ende reicht?


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